Meinungen

Hier einige Zitate von Journalisten und Filmkennern über W.C.Fields. Die Aussage von Louise Brooks - Welche ihn persönlich kannte - versucht zu erklären, warum er so wurde, wie er war.


 
„Nein, es war nicht die Berühmtheit, die Fields entstellte. Es war die Angst in den Knochen, abgeschoben zu werden, um auf dem Misthaufen von Hollywood zu sterben. Er war eine isolierte Person. Als junger Mann streckte er seine Hand nach Schönheit und Liebe aus und wurde zurückgestoßen. Nach und nach reduzierte er die Wirklichkeit, um alles bis auf seine Arbeit auszuklammern, und füllte die Lücken mit Alkohol, dessen trübe Augen die Welt in einen fernen Anblick harmloser Schatten verwandelten.”
Quelle:
Louise Brooks
Lulu in Berlin und Hollywood
Verlag Schirmer/Mosel
München
 
 
Der Filmkomiker W. C. Fields (1879 bis 1946) wird in den USA seit 50 Jahren als "nationales Sinnbild des Komischen" ebenso hochgeschätzt wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton. In Europa jedoch ist der klassische Filmclown nie recht bekannt geworden. Er war "der echteste Humorist seit Mark Twain". der "nobelste aller Spitzbuben", der "glorreichste Trunkenbold dieses Jahrhunderts". Dennoch blieb das komische Genie W. C. Fields jenseits der Grenzen US-Amerikas weithin unbekannt. Wo Fields' nasaler Akzent, seine Angebereien und sublimen Flüche ("Godfrey Daniel!") nicht verstanden wurden, war seine Wirkung beschränkt.

Denn anders als Charlie Chaplins komische Romanzen oder Buster Keatons schwermütige Hanswurstiaden sind Fields Komödien von beispielloser Bösartigkeit. Fields war, hinter der Maske behaglicher Bonhomie, ein wahrer Menschenfeind.

In 40 Filmen spielte er den Biedermann, der gegen seine Umwelt einen hinterhältigen Kleinkrieg führte. Er war ein Duckmäuser und Feigling, ein Lügner. ein Betrüger und brutaler Prahlhans, der vorzugsweise Untergebene. Kinder und Ehefrauen terrorisierte.

Quelle:
DER SPIEGEL 53/1971  
 
Gerade seine negativen Charakterzüge, sein unberechenbarer Haß, mit dem er Schwiegermütter, Polizisten, Bankdirektoren oder Golfjungen verfolgte, machten ihn zum Star. Seine Beliebtheit konnte es ihm auch erlauben, als Schrecken jedes Filmproduzenten aufzutreten. Fields änderte ständig Dialoge, verlangte Drehbuchänderungen, brach immer wieder Streit vom Zaun. "Der Hauptzweck seiner Arbeit schien darin zu bestehen, so viele Regeln wie mögllch zu brechen und jedermann den größtmöglichen Ärger zu bereiten", erinnerte sich ein Studioboß. "Ich habe euch ein Leben lang nicht gebraucht", meckerte W. C. Fields noch, als es mit ihm zu Ende ging. "Und ich brauche euch auch nicht wenn es ans Sterben geht"

Quelle:
Hamburger Abendblatt, 5.1.1983  
 
Nach außen hin opportunistisch bemüht, die Fassade eines ehrbaren Bürgers zu wahren, ist er in der ausschließlichen Verfolgung seines Vorteils ein offener Misanthrop, von Verachtung gegenüber allen Schwächeren und Rachegefühlen gegenüber allen, die ihm in die Quere kommen, erfüllt. Ein berühmter Fields-Ausspruch lautet: "Any man who hates small dogs and children can't be all bad." Und eine Katze packt er am Genick mit dem beruhigenden Hinweis, daß sie ja noch acht Leben hat.
Von den Dreharbeiten verschiedener Filme mit dem Kinderstar Baby Le Roy berichten die Chronisten mit Haarsträuben von Fields' beständigen Versuchen, Baby Le Roy mit Alkohol zu vergiften.

Seine Rachsucht hat ihr aufwendigstes Denkmal in einer Episode von IF i HAD A MILLION (1932) gefunden. Fields und sein Ehedrachen Alison Skipworth fahren Auto, werden überholt und dadurch so in Rage gebracht, daß sie dem frechen Überholer nachsetzen, bis sie ihn eingeholt haben, selbstredend unter Totalschaden.

Fields kann sich Großzügigkeit auch gar nicht leisten aufgrund der schäbigen Unternehmungen, mit denen er sich durchs Leben schlägt, für ihn gilt vielmehr der Spruch: Wer Sorgen hat, der hat auch Schnaps. Und dies letztere wiederum stellt sich als gigantisches, unüberwindbares Hindernis jedem Versuch Fields' entgegen, sich mit dem Alibi von Ehrbarkeit durchs Leben zu schwindeln.

Fields' von Whisky und Fusel gezeichnete Knollennase, der Robert Payne "Ähnlichkeit mit einer überreifen Frucht" bescheinigt, war das erste äußere Zeichen seiner Person. Ergänzt wird das durch die stets etwas schäbig-angestaubten Gegenstände, die mehr scheinen sollen, als die Person ist: weiße Handschuhe, Knaufstock, Zigarre, Kreissäge (in zweifacher Ausführung, mit und ohne Boden für die Freizeit und für die Arbeit) oder auch vornehmere Kopfbedeckungen wie ein Zylinder, oft in merkwürdigem Gegensatz zu seiner subalternen Beflissenheit, ähnlich dem Stehgeiger oder Oberkellner.

Quelle:
Thomas Brandlmeier
Filmkomiker - Die Errettung des Grotesken
Fischer Taschenbuch Verlag,1983
 
 
Egbert Souse. Larson E. Whipsnade. Cuthbert J. Twillie.
Drei Filmfiguren, die eines gemeinsam haben: jene markante Knollennase, die mehr als einmal Anlaß zu Scherzen gab wie "Essen Sie gerade eine Tomate - oder ist das Ihre Nase?" W. C. Fields revanchierte sich; aus seinem schiefen Maul, das nach Martini duftete, drangen beständig markige Gemeinheiten. "Was Galle und Geifer anlangt", so sein Freund Bill Grady, "war er absolut unerreicht. Da er der felsenfesten Meinung war, daß jeder, der ihm nahe kam, ihn übers Ohr hauen wollte, haute er erst einmal sicherheitshalber jeden, der ihm nahe kam, übers Ohr!"

Ein wenig haftete ihm das Image menschenverachtender Niedertracht an, doch tief in seinem Innern war er gutmütig. Er stach zwar ausgiebig zu, aber einen richtigen Stachel hatte er nicht.

Quelle:
Lachbomben
Rolf Giesen
ISBN 3453049373
Heyne 1995
 
 
Als man seine Filme 1971 erstmals auf das deutsche Publikum losließ, wurden Zweifel laut, ob ein derart boshafter Charakter auch hierzulande mit lachendem Verständnis rechnen könne. Die Sorge war unbegründet. W. C. Fields hat nicht nur begeisterte Fans, sondern auch Nachahmer -- etwa im Fernsehekel Alfred -- gefunden.

Was nicht verwundert, wenn man sich den Typus ansieht, den er verkörpert. Wo immer sich Pantoffeln, Schnaps, Lockenwickler, stockige Morgenmäntel, greinende Schwiegermütter, strähnige Schlampen als Gattinnen, hinterfotzige Kinder und überfressene Köter im Namen der Kleinbürgerlichkeit versammeln, ist Fields dabei -das Opfer als Held.

So wirkt dieser Grantnickl in einem Amerika, das die Aktion vergöttert, wie das ranzig gewordene europäische Erbe. Er ist ein Dickensscher Misanthrop, der den unerschütterlichen Optimismus seines Landes als besondere Perfidie entlarvt.

Wenn er in seinen Filmen in Sachen Geschäft unterwegs ist, wozu ihn seine nörgelnde Familie ständig drängt, dann ist er mit Kreissäge, Stöckchen und Glacehandschuhen die überdrehte Karikatur des Businessman. Die mühsam aufrechterhaltene Fassade der Seriosität dient ihm als Blende, hinter der er seine Gaunereien verstecken kann. Der Bluff ist sein Kapital, am liebsten spielt er Poker.

Daß man es dabei zu etwas bringen kann, hat ihm nicht zuletzt die Politik bewiesen, weshalb er auch 1940 für die Präsidentschaft kandidierte. Ein Wahlprogramm veröffentlichte er unter dem Titel "Babypflege". Schließlich liege, wie er schrieb, "die Zukunft unseres Landes einzig in den Babys von heute (Gott helfe ihnen). Ich, W. C. Fields, zögere nicht, zu behaupten, daß ich ein tieferes Verständnis für Babys und ihre Probleme besitze als irgendein anderer Staatsmann in Amerika. Denn zuerst und vor allem bin ich selbst einmal ein Baby gewesen."

Und da er keinen einzigen Menschen mochte, sich eingeschlossen, blieb ihm nur ein wahrer, bis in den Tod treuer Freund, der Alkohol. Zwei Liter Martini täglich nahm er als Tranquilizer zu sich und hatte dabei nur eine Sorge: "Ich hoffe, das Trinken macht mich nicht zu einem liebenswerten Charakter." Seine andere Hoffnung, diesen Alkoholkonsum als "Betriebsaufwendung" von der Steuer absetzen zu können, blieb allerdings unerfüllt.

In einem seiner Filme hinterließ er den Säufern aller Welt eine unsterbliche Bemerkung: Als er im Vollrausch ohnmächtig vom Barhocker kippt, möchte ihm eine Dame mit einem Glas Wasser helfen. Fields erwacht beim Anblick des Wassers schlagartig und näselt: "Lady, dieses Zeug trinke ich niemals. Da ficken Fische drin."

Quelle:
DER SPIEGEL 27/1980  
 
Während Keaton viele Merkmale des klassischen Underdog verkörpert, in dem sich die Bedürfnisse des Publikums nach anarchischer Wunscherfüllung spiegeln, steht der integrierte Clown W.C. Fields für die Angst vor zu großer Integration in die ihn umgebende Gesellschaft und der Fremdbestimmtheit des Handelns. Fields ist der Anti-Hero, das klassische, seinem Schicksal ergebene Opfer der Farce. Seine Figur ist diejenige eines gequälten Kleinbürger, der versucht, trotz der Sabotage durch seine Mitmenschen einigermaßen friedlich zu überleben. Ein Menschenfeind und Choleriker mit sadistischen Anwandlungen, der gute Gründe hat für seine Überzeugungen. Die Entwicklung vom Stummfilm zum Tonfilm war auch eine von der Stummfilmfarce zur Tonfilmkomödie. W.C. Fields gehörte zu den wenigen Farceuren, die die reine Form der Farce auch im langen Tonfilm durchhielten. Während Fields Humor nur zu Teilen auf Körperkomik beruhte und somit tonfilmkompatibel war, war die Tonfilmkarriere des visuellen Clowns Buster Keaton eine Geschichte des Scheiterns.

Quelle:

Kennzeichen und Typen der amerikanischen Filmfarce
Buster Keaton und W.C. Fields

Hauptseminararbeit, 2001, 34 Seiten
Autor: Clemens Grün
Fach: Filmwissenschaft
 

Nach oben


(C) 2005 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken